Cuirina - Constanze Spengler

Tagebücher – altmodischer Unsinn?

 

Wer schreibt heutzutage überhaupt noch Tagebuch? Klar, es gibt fancy Journals, es gibt auch vorgefertigte Versionen mit kleinen Aufgaben für die, denen es so leichter fällt (habe ich übrigens auch – unter anderem - die sind nämlich wirklich schön) und es gibt sogar Bücher, Videos und andere Anleitungen, wie man ein Journal führt.

Eine Anleitung zum Tagebuch schreiben?
Gab es früher nicht.

Ich bin mit 16 Jahren von jemandem, der mich damals unterstützen wollte, aufgefordert worden, ein Tagebuch zu führen.
Damals gab es einfach nur Tagebücher, keine bullet journals, positiv-Tagebücher oder Achtsamkeitsbücher (oder was es noch so alles gibt).

Eine sehr kreative Freundin von mir hat damals sogar wahre Kunstwerke erschaffen, das war beeindruckend. Ich für meinen Teil habe einfach nur aufgeschrieben, was ich erlebt habe, was ich gedacht oder gefühlt habe oder was mir wichtig erschien, manchmal auch Ideen oder ich habe Kinokarten eingeklebt, Skizzen gemacht und was immer mir noch in den Sinn kam. Der künstlerische Anspruch an mich selbst war da eher sekundär – gezählt hat eher die Stimmung des Augenblicks.

Würde ich heute noch jemandem den Rat geben, ein Tagebuch zu führen?
Auf jeden Fall. Und ich würde ihm davon abraten, dafür eine Anleitung zu suchen, denn letzten Endes geht es in diesen Seiten nur um uns und um das, was in dem Moment, in dem wir schreiben, wirklich wichtig für uns ist. (Eine Ausnahme bilden hier psychische Erkrankungen und deren Behandlungen, in denen es tatsächlich um gezielte Inhalte geht, aber das ist nicht das Thema dieses Beitrags.)

Ich schreibe bis heute – lediglich das, was ich aufschreibe, hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Ich habe auch nicht immer regelmäßig geschrieben und meine ersten Tagebücher sind leider nicht mehr existent. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Wenn man sich 20 Jahre später noch einmal mit dem auseinandersetzt, was man erlebt, gefühlt, gedacht oder gefürchtet hat, ist das unglaublich spannend und interessant.

Vor langer, wirklich langer Zeit habe ich sogar mal über einen Zeitraum von etwa 2-3 Jahren ein online-Tagebuch geführt. Das war damals plötzlich unglaublich „in“ unter den Menschen, die das Netz bereits für sich entdeckt hatten. Anonym konnte man alles in seinem kleinen Platz im Netz niederschreiben, was man wollte und ebenso anonym lasen irgendwelche Menschen mit, die einen gar nicht kannten. Eine Zeit lang habe ich später belächelt, dass ich das gemacht habe – welchen Sinn sollte das auch haben? Entweder man will Menschen etwas mitteilen, dann kann man auch einfach einen Blog schreiben, oder man will seine Gedanken für sich sortieren, Erlebnisse in Erinnerung behalten oder Ereignisse reflektieren. Was haben andere darin zu suchen?

Spannend für mich war aber, dass ich dieses kleine Plätzchen im Internet irgendwann durch einen Zufall wiedergefunden habe und 20 Jahre später nachlesen konnte, was damals in meinem Leben los war (und das war eine Menge). Das ließ mich sehr dankbar sein, auch wenn ich das online-Format heute so gar nicht mehr schätze. Es hat mich realisieren lassen, wie viel wir vergessen oder verdrängen, was aber alles wieder sehr greifbar wird, wenn wir erinnert werden und wie berührend es sein kann, zu verstehen, wie sehr man sich tatsächlich weiterentwickelt hat oder was aus Situationen wurde, die uns irgendwann einmal ausweglos erschienen. Es ist erstaunlich zu sehen, welche Menschen noch Teil des eigenen Lebens sind und welche nicht, wie man damals darüber dachte und wie die Meinung zu manchen Dingen sich gewandelt hat. In diesem Fall bin ich tatsächlich dankbar, dass das Netz nichts vergiss, so gruselig das manchmal auch sein mag.

Ich besuche diesen kleinen Ort im Netz noch manchmal und hinterlasse ein paar Zeilen, einfach nur, damit ich in 20 Jahren nochmal darüber schmunzeln kann (und damit die damals sehr tragische Geschichte in ihrem Verlauf einen positiven Ausgang zeigt).

Aber mein eigentliches Tagebuch führe ich ganz langweilig und altmodisch mit Stift und Papier, manchmal mit Farben, manchmal mit Basteleien, aber immer so, wie es mir gerade in den Sinn kommt.
Da mir die Zeit fehlt, die ich früher einmal hatte, grenze ich allerdings ein bisschen ein, was ich aufschreibe.
So schreibe ich immer dann, wenn etwas besonders Schönes oder auch etwas besonders Schlimmes passiert ist, wenn ich einen ganz wichtigen Gedanken oder ein Ziel habe, das ich nicht aus den Augen verlieren will oder wenn ich in einer Situation merke, dass ich besonders dankbar bin oder mich etwas oder jemand besonders berührt hat.
Denn genau das sind die Momente, an die ich mich erinnern will, auch in 20, 30 oder, so es mir vergönnt sein sollte, 40 Jahren. 

Was würde ich heute jemandem raten?
Dasselbe, was mir damals geraten wurde: Schreibt auf, was wichtig für euch ist, egal ob Gedanken, Ereignisse, Pläne oder Gefühle.
Es hilft, mit sich selbst in Kontakt zu bleiben, auch dabei, wiederkehrende Schleifen zu entdecken, in denen wir, manchmal nämlich unbemerkt, wieder und wieder in ungesunde Verhaltensmuster fallen und letztlich hilft es uns auch, uns an die wichtigen Momente in unserem Leben zu erinnern.

Der ein oder andere sagt jetzt vielleicht, dass man sich an das, was wirklich wichtig ist, sowieso erinnern wird. Aber nein, das ist nicht so – leider.
Das Gehirn selektiert auf eine Art und Weise, die auf den ersten Blick nicht immer nachvollziehbar ist und der schöne Abend mit Freunden, der Theaterbesuch, der mich besonders berührt hat, der eine Moment, in dem man gespürt hat, die richtige Entscheidung getroffen zu haben in einer Sache – all das kann uns schneller verloren gehen, als wir manchmal denken. Vielleicht nicht nach einem Jahr – aber vielleicht nach zehn Jahren. Und dann ist es so schön, diese Momente wieder zum Leben erwecken zu können.

Und genau dafür liebe ich es, ein altes altmodisches und für manche vielleicht langweilig anmutendes Tagebuch zu führen.

Mein Fazit? Erinnerungen sind wertvoll und es ist absolut empfehlenswert, sie ein bisschen zu behüten. So albern es dem ein oder anderen im Augenblick auch erscheinen mag, aber mit 10 oder 20 Jahren Abstand sind solche Zeilen, Bilder, Eintrittskarten, Fahrkarten, Briefchen, Fotos oder anderen Eindrücke plötzlich unbezahlbare kleine Schätze, die nicht dem gelegentlichen Entrümpeln oder der schlichten Vergesslichkeit zum Opfer fallen.
Ein paar Zeilen an den wichtigen Tagen, diesen Tagen, an denen man abends denkt „Hach – daran will ich mich noch lange erinnern.“ oder „Das hat mich unglaublich berührt.“ können ein zauberhaftes kleines Geschenk an uns selbst in der Zukunft sein.

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Spiritualität oder Irrsinn?

 

Ein Thema, dass mich schon eine ganze Weile lang umtreibt - darum möchte ich meine Gedanken dazu an dieser Stelle teilen und schon im Vorfeld des Beitrags musste ich feststellen, dass das keine ganz einfache Aufgabe wird. 

Was bedeutet Spiritualität? Wikipedia berichtet dazu: "Spiritualität [...] ist die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit, die der materiellen Welt zugrunde liegt."

Interessen sind sehr unterschiedlich und der Glaube an etwas, was auch immer es sein mag, ist heutzutage sehr weit gefächert - ganz anders als zu meiner Kinderzeit. Da gab es das Christentum, es gab den Islam, irgendwo weit weg gab es so exotische Dinge wie Buddhismus und alles, was darüber hinausging, galt im besten Fall als Spinnerei. 
Heute ist man freier in dem, was man glauben "darf" (hier von "dürfen" zu sprechen fühlt sich schon irgendwie falsch an, da es selbstverständlich ist oder sein sollte). 
Der "Markt" ist weit gefächert - heidnische Zusammenkünfte, Witchtok, nordische Mythologie aber auch Buddhismus, Voodoo und viele andere Einflüsse, Religionen und Lebenseinstellungen haben ihren Weg in unsere Normalität gefunden. 
Die Welt ist, so schnell-lebig sie sein mag, in diesen Punkten zusammengerückt und offener geworden. Wo es vor 30 Jahren noch wirklich schwierig war, an sinnvolle Informationen zu kommen, kann man sich heute einfach schlau lesen und das finden, was zu einem passt und was sich gut anfühlt. Die Menschen haben sich in viele verschiedene Richtungen entwickelt und ein Verurteilen auf Grund der eigenen Glaubens-Sätze oder Weltanschauungen wird, zumindest in der Theorie, nicht gerne gesehen. 

Eine Influencerin, der ich mit großer Begeisterung folge, war kürzlich in einem Yoga-Retreat. (Auch hier möchte ich einmal aus Wikipedia zitieren "Retreat, englisch für Rückzug, bezeichnet eine geplante spirituelle Ruhepause oder Rückzug von der gewohnten Umgebung.")
Natürlich ist mir bewusst, dass zwischen dem Internet und der Realität eine gewisse .. sagen wir .. Zone der Verklärung liegen kann, aber ich empfand die Bilder und Videos von dort als ausgesprochen inspirierend und schön. Neben Yoga, Meditation, intensiver Arbeit mit dem Thema "Weiblichkeit", gesunder (cleander und veganer) Ernährung und viel intuitivem Handeln, gefiel mir vor allem die Rückzugsmöglichkeit und die sehr harmonische und friedvolle Atmosphäre. 

Haben wir nicht eigentlich unglaublich viel Glück, in einer Zeit zu leben, in der wir selber wählen können, wohin unser Herz strebt? Eine Zeit, in der intuitive Entscheidungen möglich sind und man nicht für seine religiösen und spirituellen Gedanken verurteilt oder verfolgt wird? (Zumindest nicht hier - mir ist bewusst, dass das nicht überall so ist.)

Aber ist es denn wirklich so?
Dahinter setze ich nämlich ein großes Fragezeichen. Es wird sehr viel thematisiert, wie wichtig es ist, Menschen nicht zu verurteilen, egal ob es um Herkunft, sexuelle Identität, Religion, Lebenseinstellung oder Lebensweise geht. Aber wie viel davon ist wirklich bereits in der Realität verankert? Und ich meine damit nicht die Realität der eigenen sozialen Blase, in der man ja dankenswerter Weise ein bisschen sortieren kann, wer dazu zählt und wer nicht?

Wie ist es außerhalb der selbst eingerichteten Komfortzone? 
Im Kleinen hat sich die Frage bei mir schon vor meiner Arbeit in der Psychiatrie gestellt. Menschen berichteten mir von ihren spirituellen Ideen, von der Ruhe in der Meditation und von dem Gedanken, Ziele besser erreichen zu können, wenn man sich das gewünschte Ziel manifestiert. Im gleichen Atemzug hört man dann so etwas wie "Also ich meine damit nicht so esoterisches Zeug". 
Und hier fängt es dann auch schon an. Was ist denn eigentlich "Esoterik"?
Ich habe mir wieder Hilfe bei Wikipedia gesucht:
"Esoterik [...]) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen."
Da steht dann aber auch so etwas:
"Im populären Sprachgebrauch versteht man unter Esoterik vielfach „Geheimlehren“. Ebenfalls sehr gebräuchlich ist der Bezug auf „höhere“ Erkenntnis und auf Wege, welche zu dieser führen sollen. Des Weiteren wird das Adjektiv „esoterisch“ häufig abwertend im Sinne von „unverständlich“ oder „versponnen“ verwendet."

Bezieht man also den Begriff "Esoterik" auf den Wunsch, einen höheren Grad der Erkenntnis (bezogen auf was auch immer) zu erreichen, ist es (in meinen Augen) ja erst einmal nicht so sehr negativ behaftet (und auch Bestandteil vieler Religionen). 
Gleichzeitig drängen sich irgendwie Bilder der vergangenen Monate auf, wenn das Wort "Esoterik" fällt. Im Rahmen der Pandemie-Situation und den darauf folgenden Ausschreitungen in manchen Städten, gab es immer wieder Berichterstattungen von bzw. über "Esoteriker", die mit doch sehr an den Haaren herbeigezogenen, wirren Ideen um sich warfen und versuchten, dem "Schlafschaf" die Welt zu erklären.
Belassen wir es also dabei, dieses Wort als schwer definierbar und durchaus vorbelastet zu betrachten - zumindest für meine Gedankengänge hier. 

Aber was meinen denn die Menschen, die das oben Genannte erwähnten? Spirituell ist ok, esoterisch nicht? Was genau war der Hintergrund? Spirituell auf einer wissenschaftlichen Ebene im Sinne von selfcare und Selbstfindungsreisen im Kielwasser großer Influencer, die damit werben, ist irgendwie en vouge. 
Sich einer Religion zugehörig zu fühlen ist - falsch? Richtig? Kommt auf die Religion an? 
Ich habe einen Haufen Menschen in meiner sozialen Blase, die regelmäßig die alten Feste ursprünglicher Naturreligionen feiern. Ich habe auch einen Haufen Menschen in meiner sozialen Blase, die Weihnachten und Ostern feiern, ohne sich bewusst zu sein, dass an dieser Stelle heidnische Bräuche im Rahmen der Christianisierung einfach angepasst wurden. Beides ist ok - darf man nicht einfach selbst entscheiden, was sich richtig anfühlt? Oder muss man Angst vor der Meinung anderer haben? Und wenn ja - warum?
Warum ist es in manchen Bereichen unseres Lebens zwar in Ordnung, an Manifstationen zu glauben, aber nicht, einen Glauben zu haben?
Warum ist der Chef eines Unternehmens, der morgens seinen Anzug anzieht und seinem Spiegelbild seine Tagesziele vorbetet weniger seltsam als die Fotografin, die sich jetzt schon auf das nächste Samhain freut, weil sie es mit ihren Freunden, die ähnlich ticken wie sie, feiern wird?

Und um das ganze noch etwas schwieriger zu machen: Wie sieht das ganze dann aus, wenn man es aus dem Blickwinkel der Psychiatrie betrachtet?
Das war nämlich der Grundgedanke, der mich zu diesem Blog-Eintrag brachte. 
Seit ich in der Psychiatrie arbeite, habe ich festgestellt, dass dort alle ganz nüchtern und sachlich sind. Naja... also zumindest vordergründig. 
In der Mittagspause wird der ein oder andere dann vielleicht auch schon mal offener und erzählt von spirituellen (da haben wir es wieder) Gedanken und Ideen. Oh - außer natürlich man gehört zu den Ärzten. (So wie ich by the way.)
DANN ist man natürlich immer nüchtern und sachlich. Himmel hilf, man stelle sich vor, man wäre etwas anderes als aalglatt, vollkommen wissenschaftlich durchdrungen und bis in die letzte Faser seines Wesens frei von religiösen Einflüssen. 
Wait what?
Ich muss manchmal schmunzeln. Also selbst die Kollegen, von denen ich ganz sicher weiß, dass sie zumindest religiös sind, halten diese Thematik vollkommen aus jedem Gespräch raus. Klar, dass man im Rahmen seiner Arbeit über private Dinge nicht aus dem Nähkästchen plaudert ist logisch, aber es gibt ja dann eben auch noch die Gespräche, die über die Arbeit hinaus gehen, irgendwo im Pausenraum. Und da sind es immer meine ärztlichen Kollegen, die dahingehend außerordentlich zurückhaltend, skeptisch und leider auch oft wertend sind. Und klar, ehe es hier zu Missverständnissen kommt: Glaube und Religion sind erst einmal etwas sehr privates und niemand ist verpflichtet, irgendetwas dazu zu sagen. Die Wertungen, auf die ich wieder und wieder stoße, finde ich hingegen eher schwierig. 

Wäre das schon alles, wäre es mir ja vielleicht auch noch egal. Arbeit ist halt Arbeit. Je nachdem, wo man arbeitet, haben das Privatleben und die privaten Ansichten da gar nichts zu suchen. Das ist auch ok so. Jeder entscheidet selbst, wie viel er oder sie von sich preisgeben möchte und diese Grenze sollte niemals nie überschritten werden. Es bringt mich nur manchmal ein bisschen zum Schmunzeln, wenn ich den Unterschied betrachte in der Offenheit der Menschen der verschiedenen Berufsgruppen im gleichen Arbeitsumfeld. 
Aber das ist ja leider nicht alles und das ist der Knackpunkt. 
Es gibt da diesen einen Satz, der mich innerlich sehr schnell zur Weißglut bringen kann, je nachdem in welcher Situation er fällt:
"Das ist ja auch schon so ein bisschen wahnhaft."

An dieser Stelle zitiere ich aus "Berger - Psychische Erkrankungen": 
"Im Zentrum der inhaltlichen Denkstörungen steht der Wahn in seinen verschiedenen Ausdrucksweisen. Als Wahn wird eine Fehlbeurteilung der Realität bezeichnet, die mit erfahrungsunabhängiger und damit unkorrigierbarer Gewissheit auftritt und an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird, auch wenn sie im Widerspruch zu Erfahrungen der gesunden Mitmenschen sowie ihrem kollektiven Glauben und Meinen steht." 

Ich habe hingegen (mittlerweile viel zu oft) erlebt, dass "Wahn" für manche Kolleg*innen irgendwie so etwas bedeutet:
"Alles, was nicht meinem 110%ig wissenschaftsbasiertem Weltbild entspricht". 

Manchmal ist es auszuhalten, dann wird nur beschmunzelt, wenn Patient*innen Yoga machen und an positive Energien glauben, daran, dass ihnen die Verbindung zur Natur gut tut und so weiter. Wobei ich es ehrlicherweise bisweilen grotesk finde, wie Dinge, die wirklich einen positiven Effekt auf Menschen haben können, belächelt werden. Ich rede hier von Dingen wie Manifestation, Meditation oder tatsächlich auch Yoga. Klar kann man hier nicht alle über einen Kamm scheren, klar gibt es Ärzte, die offener sind als andere, aber dieses humorvolle Abwerten der Dinge habe ich wirklich nicht selten erlebt. 
Das an sich wäre irgendwie schade, aber verschmerzbar - ist ja erstmal nur eine Meinungsäußerung, die man nicht einmal wirklich mitbekommt. 
Aber ich habe eben auch schon oft diesen, oben bereits genannten, Satz gehört. 
Ja - die Grenzen mögen hier schwierig zu definieren sein, das muss man sich klar machen. Der Laie hätte mit Sicherheit seine Schwierigkeiten einen Menschen mit sehr (ich sage es jetzt absichtlich und bewusst:) esoterischen Ansätzen von einem tatsächlich wahnhaften Patienten zu unterscheiden. Aber bei jedem Anflug von spirituellem Gedankengut direkt das Wort "Wahn" in den Ring zu werfen, finde ich mehr als nur schwierig. 
Auch hier ist es (theoretisch) zu verschmerzen, weil dem meist keine Konsequenz folgt, wenn der "Wahn" "nur" bedeutet, dass Patient*innen ihre Verbundenheit zur Natur bekunden, einen Kristall auf ihrem Nachttisch stehen haben oder glauben, dass sie auf ihre Intuition hören sollten bei bestimmten Entscheidungen. 

Trotzdem hinterlässt es, auch - oder gerade - im Team irgendwie dieses Gefühl von "das ist ja etwas irgendwie Schwieriges  - besser halte ich die Klappe, wenn ich da auch eine Meinung zu habe". 
Ich verstehe im Ansatz, warum das so ist oder sein könnte. Menschen, die nämlich wirklich wahnhaft sind auf Grund ihrer Erkrankung, sind potentiell empfänglich für solche Gedanken und Ideen und das Krankheitsbild könnte sich potentiell verschlimmern. 
Aber das könnte es auch durch andere Einflüsse. Ich weiß einfach nicht, ob es das rechtfertig. Und der Witz ist ja - vieles hat ja längst Einzug in die Behandlungs-Strategien gefunden (was ich im Übrigen richtig gut finde): Aroma-Therapie, Entspannungsbäder, Traumreisen, Akupunktur oder Wahrnehmungs-Spaziergänge zum Beispiel. 

Die Grenzen verschwimmen und trotzdem wird immer wieder stigmatisiert. Teils aus nachvollziehbaren, teils aus nicht nachvollziehbaren Gründen. 
Ich betrachte das alles und frage mich, wie es sich entwickeln wird? (Ich bin ehrlich gespannt)
Und ich glaube trotzdem daran, dass bestimmte Dinge eher nutzen als schaden, wenn man vernünftig überlegt, was man nutzt oder thematisiert und wer einem da gerade gegenübersitzt. 
Vor allem aber würde ich mir wünschen, dass man im Umgang miteinander einfach offener sein könnte und somit auch eine größere Vielfalt an Möglichkeiten möglich machte, aus der man evtl. schöpfen könnte. 

Am Ende muss jeder für sich selbst wissen, was ihm oder ihr gut tut. Jeder sollte sich aber auch darüber im Klaren sein, dass nicht nur das eigene Handeln Wellen schlägt sondern auch jeder geäußerte Gedanke, je nachdem, bei wem er Gehör findet und "Ablehnung" ist eine starke Kraft, denn sehr viele Menschen haben Angst vor ihr. 
Wenn wir es also alle schaffen würden, ein bisschen offener aufeinander zu zu gehen, vielleicht wäre das damit vielleicht verbundene Gefühl der Entspannung gar nicht so schlecht?
Wer weiß. 

Mich würde natürlich eure Meinung dazu interessieren, hinterlasst gerne etwas dazu in der Kommentarfunktion dieses Beitrags. 

 

 

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